Urlaub beginnt für mich auf dem Flughafen. Das Packen ist geschafft und pünktlich ist man auch – wie großartig. Dann geht’s zum Check-in und Boarding. Der Sitzplatz ist schnell gefunden, das Handgepäck verstaut. Schon nach kurzer Zeit: Erklärung der Sicherheitsvorschriften. Ich warte schon auf die Aufforderung, im Ernstfall erst sich selbst die Sauerstoffmaske aufzusetzen und erst dann den anderen zu helfen. Sonst ist am Ende niemandem geholfen.
Meine Gedanken sind woanders: Beim Gebot der Nächstenliebe: Du sollst Gott lieben. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Eigentlich drei Gebote in einem. Der Nächste ist ein Gefährte, er oder sie ist ein Mensch mit all den Bedürfnissen, Ängsten, Sehnsüchten, die ich auch sehr gut kenne. Die Menschen rechts und links neben mir haben ihre Alltagssorgen noch im Kopf und wünschen sich für die Urlaubstage das Gleiche wie ich: Erholung, neue Eindrücke von einem anderen Land, vielleicht gute Gespräche und menschliche Wärme.
Den Anderen im Blick haben, aber trotzdem die Sauerstoffmaske erst selbst aufsetzen! „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ „Selbstliebe“ klingt schwierig, oder? Was da hilft, ist mich selber als Geschenk anzusehen: Gott ist es, der mir das Leben gegeben hat und Gott ist es, der mich liebt. Und wenn Gott „Ja“ zu uns sagt, dann dürfen wir auch „Ja“ zu uns sagen – trotz aller Fehler oder der Schwächen, das ist wohl ganz zentral mit dem biblischen Gebot der Nächstenliebe gemeint, aber bestimmt nicht in dem Sinn, dass wir unserem Gegenüber niemals die Meinung sagen oder nicht streiten dürfen. Zu einem „Ja“ zum anderen gehört auch, an entscheidenden Stellen „nein“ zu seinen Taten zu sagen.
Noch längst nicht alles zu Ende gedacht, tausche ich meinen Platz mit jemandem, der lieber im Gang sitzt und schaue in den Nachthimmel.

