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19.06.2026 Kategorie: Calvörde - Gemeinde, Johannes - Gemeinde, Kantate - Kästorf, Reislingen - Nachrichten, Ruehen - Nachrichten, Vorsfelde - Gemeinde

Dein Wert muss nicht verdient werden

Wort zum Sonntag am 20.6., von Pfarrerin Carina Vornkahl

Wir leben in einer Zeit, in der fast alles bewertet wird. Hotels, Restaurants, Bücher, Lehrer, Arbeitgeber, Politiker. Sogar der Paketbote bekommt Sterne. Ein Klick genügt, und jemand erhält fünf Sterne oder nur einen. Manchmal habe ich das Gefühl, wir übertragen dieses System längst auf Menschen. Auf andere – und auf uns selbst.

War ich heute produktiv genug? Habe ich genug geschafft? Bin ich eine gute Mutter, ein guter Vater, eine gute Kollegin, ein guter Freund? Irgendwo tief in uns sitzt oft ein unsichtbarer Bewerter und vergibt Punkte.

Das Problem: Dieses Spiel kann man nicht gewinnen. Denn egal, wie viel wir leisten, es gibt immer jemanden, der erfolgreicher, sportlicher, entspannter oder organisierter wirkt. Die sozialen Medien liefern den Vergleich gleich frei Haus.
Und während wir andere bewerten und uns selbst bewerten, passiert etwas Merkwürdiges: Wir verlernen, einfach Mensch zu sein.

In der Bibel begegnet Jesus immer wieder Menschen, die durchgefallen sind. Menschen mit schlechtem Ruf. Menschen, die Fehler gemacht haben. Menschen, die nicht genügten. Er fragt sie nicht nach ihren Sternen. Vielleicht ist das die unbequemste Botschaft des christlichen Glaubens: Dein Wert muss nicht verdient werden.

Für viele klingt das nett. Tatsächlich ist es revolutionär. Denn wenn mein Wert nicht von Leistung abhängt, dann muss ich nicht ständig beweisen, dass ich wichtig bin. Dann kann ich aufhören, andere abzuwerten, um selbst besser dazustehen.
Vielleicht wäre das ein guter Vorsatz für die kommende Woche: weniger bewerten.

Andere. Uns selbst. Das Leben.

Und stattdessen etwas üben, das schwerer geworden ist als wir denken: Menschen einfach als Menschen zu sehen.

Ihre Carina Vornkahl

Bild: KI generiert